The Resilient Mind Series 02

Wenn wir wegen Corona nicht mehr wie gewohnt draussen sein dürfen, ist es Zeit, nach innen zu gehen

 

 

Wenn vor 20 Jahren eine Führungsperson von ihrer Meditationspraxis gesprochen hätte, wäre sie/er entweder schräg angeschaut oder schnell in die Esoterikecke gestellt worden. Heutzutage ist alles anders: Es gibt nicht nur eine Fülle an Meditations-Kursen, detaillierten Anleitungen in allen Formen und verschiedene Apps - die Vorteile regelmässiger Meditation sind ausserdem sehr gut untersucht. So lassen sich positive Auswirkungen regelmässigen Meditierens auf z.B. den Blutdruck, die Emotionsregulation, den Schlaf und das allgemeine Wohlbefinden durchaus belegen. Was dabei häufig übersehen oder unerwähnt bleibt, ist die gesteigerte Fähigkeit, gelassener mit Widrigkeiten und Herausforderungen der Welt umzugehen. Solange wir uns nicht weiter mit der Art, wie wir (er)leben auseinandersetzen, reagieren wir stets unbewusst auf äussere Einflüsse. Unsere Reaktionsmuster sind dabei stark von unserer Konditionierung und Sozialisierung geprägt. 

 

Unsere mentalen Prozesse bestimmen die Qualität unseres Lebens – daher macht es Sinn diese zu trainieren. Leiden und Freude, wie extrem sie uns auch immer erscheinen mögen, sind stark subjektive Prozesse. Unser Denken ist zwar abhängig von unserem Körper und unseren Emotionen sowie unserer Umwelt, aber alles Schlechte und Gute, das wir je im Leben erfahren, muss in unserem Bewusstsein wahrgenommen werden, um für uns Relevanz zu erhalten. 

 

Wie gehen wir nun mit der aktuellen Herausforderung um, uns selbst und unsere Mitarbeitenden in Zeiten des VUKA (Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität) zu führen? 

 

Ein häufiger Coping-Mechanismus ist der Versuch, die nähere Umgebung zu kontrollieren und alles um uns herum zu schützen. Dies führ aber mittelfristig nur zu mässigen Erfolg, da es eine Fülle von Dingen gibt, auf die wir keinen Einfluss haben, wie z.B. die aktuell omnipräsente Corona Pandemie, technologische Umwälzungen oder disruptive Ereignisse, die uns oder unser soziales Netzwerk betreffen. Viel erfolgsversprechender sind eine Reihe von nach innen gerichteten Ansätzen, die helfen, Orientierung und Klarheit zu generieren. 

 

Unsere Achtsamkeit bezüglich der eigenen inneren Prozesse erhöhen: Wenn wir in Gedanken verloren sind, gibt es eine Reihe von Einsichten und Wahrnehmungen, die wir schlicht verpassen. So ist jeder Gedanke und jedes Gefühl, das wir je hatten, in unserem Denken und Empfinden aufgetaucht und nach einiger Zeit auch wieder verschwunden.  Der Ärger, den wir gestern im Streit mit einem Familienmitglied hatten, ist weg, ausser wir erinnern uns bewusst – im Wort er-innern zeigt sich dabei schön die Präzision der deutschen Sprache – und glauben, dass der Ärger über einen längeren Zeitraum ohne unser Zutun aufrecht erhalten bleibt. Es kann unglaublich befreiend sein, dies auf einer tiefen Ebene zu erfahren und das Erscheinen und Verschwinden eines Gedankens zu beobachten, wenn wir ihn nicht emotional behaften.

 

Genauso verhält es sich mit Gefühlen und körperlichen Empfindungen – sie entstehen und vergehen wieder. Dies jedoch nur, wenn wir in der Lage sind, diese in dem Zeitpunkt ihrer Entstehung wahrzunehmen, anstelle zu glauben, wir hätten das absolute Recht, jetzt aufgrund eines äusseren Ereignisses ärgerlich, traurig oder ängstlich zu sein. Dabei geht es nicht darum, entstehende Gefühle nicht zuzulassen, sondern als erster Schritt diese zu beobachten («ah, ich spüre einen Klumpen im Magen», «ich merke, wie eine kämpferische Energie in mir frei wird», «dies ist wahrscheinlich Ärger»). Dabei ist es wichtig, die körperlichen Signale nicht zu werden, sondern einfach wahrzunehmen – wie ein unbeteiligter Zeuge. Sobald es uns gelingt, die mentalen, emotionalen und somatischen Prozesse dahinter bewusst zu machen, folgt ein weiterer wichtiger Schritt: die Akzeptanz der Empfindung. «Es ist ok, dass ich nun ärgerlich bin». Durch diese Bejahung verhindern wir, von den Emotionen dominiert zu werden – und kreieren so Raum für unsere gewählten Re-Aktionen. 

 

Diese Fähigkeit ist unter dem Begriff der «Achtsamkeit» bekannt und mithilfe der Meditation gewinnen wir tiefere Einblicke in die Natur dieser inneren Prozesse. Auf den ersten Blick könnte auch der Eindruck entstehen, dass es sich bei der Meditation um eine sehr passive, rein beobachtende Auseinandersetzung mit dem Erlebten handelt - dem ist weit gefehlt! Die Meditation hilft uns besser zu differenzieren, was im Moment real ist und dies tiefer und klarer zu erleben und damit die Qualität unseres Erlebens von Moment zu Moment zu erhöhen. In letzter Konsequenz können wir so gelassener und geerdeter mit der Welt und was immer sie uns in ihrer Fülle anbietet umgehen.

 

Die Qualität unserer Fragen erhöhen: Jede Frage hat eine Reihe von unbewussten Vorannahmen, die den Suchkorridor der Frage bestimmen. Eine Frage wie «Warum trifft die Pandemie meine Firma gerade jetzt, wo wir doch expandieren wollten?» oder «Warum muss mir das passieren, wo wir doch in die Ferien fahren wollten?» setzt den Suchfokus auf eine Erklärungswelt, die im besten Fall eine vermeintliche Antwort findet. Allerdings trägt sie wenig dazu bei, die Situation von einer anderen Perspektive her zu betrachten und entsprechend wirkt sie emotional dämpfend. Eine Frage wie «Wie kann ich meine «Home Office» Situation optimal für mich und meine Arbeit nutzen?» oder «Wie kann ich mich organisieren, sodass meine Familie auch von der Situation profitiert?» sind Fragen, die neugierig neue Perspektiven und Möglichkeiten eröffnen und damit auch emotional wesentlich erbaulicher und inspirierender wirken. Nicht umsonst heisst es «Die Qualität Deiner Fragen bestimmt die erlebte Qualität Deines Lebens». 

 

Eine Frage, bei der in Studien nachgewiesen wurde, dass sie die eigene Befindlichkeit massiv zu verbessern vermag, ist die Frage «Wofür bin ich dankbar?». Mit mindestens zehn Antworten dazu und über einen Zeitraum von drei Wochen regelmässig angewendet, werden Sie sich über diesen Weg garantiert eine positivere Erlebniswelt erschliessen.      

 

Unsere Aussicht auf die Zukunft umdeuten: Psychologisch gesehen können wir durch Umdeutung eines gewissen Geschehens einer Situation bewusst eine andere Bedeutung oder einen anderen Sinn zuweisen, und zwar indem wir die Situation in einem anderen Kontext (oder „Rahmen“, ähnlich dem englischen Begriff Reframing) sehen. Die Metapher hinter dem Ausdruck ist darauf zurückzuführen, dass ein Bilderrahmen den Ausschnitt des Gesamtbildes stark beeinflusst bzw. definiert. Ein-rahmen steht auch für ein Konzept, welches unsere Sicht bewusst eingrenzt und definiert. Verlassen wir diese geistige Festlegung, können neue Vorstellungen und Deutungsmöglichkeiten entstehen. Eine hilfreichere Sicht auf die Zukunft und ihre erwarteten Herausforderungen ist es z.B. uns als «HeldInnen auf Abruf zu sehen» und uns wie die HeldInnen im Märchen oder Film zu verstehen, die erst durch die Herausforderung und die Annahme und Überwindung der Herausforderung zur Heldin bzw. zum Helden reifen. 

 

All diesen Ansätzen gemeinsam ist, dass sie nicht schnelle Lösungen (im Englischen sog. «quick fixes») anbieten, sondern einige Zeit lang praktiziert werden sollten, um wirklich wirksam zu werden. Wir sind keine Computer, denen man schnell ein Up-date des Betriebssystems hochlädt, sondern Menschen, die über neuronale Netzwerke verfügen, die nur über die Zeit umprogrammiert bzw. um-konditioniert werden können, um so final neue, verbesserte Verhaltensweisen an den Tag zu legen.  

 

Das aergon-Team teilt hier gerne noch zwei Apps, die sich sehr positiv unterstützend auf den persönlichen Transformationsprozess auswirken: 

  • «Waking Up»: eine Meditationsapp (wird aktuell von 60% bei aergon aktiv genutzt) 
  • «The 5 Minute Journal»: eine Dankbarkeits-App (wird aktuell von 40% im Team aktiv genutzt) 

 

Das aergon Team steht Ihnen für ein (virtuelles) Gespräch gerne zur Verfügung.

Dieser Artikel ist Teil der Resilient Mind Series von www.aergon.com